Textile Redensarten

Sprichwörtliche Redensarten ziehen sich – zum Teil seit Jahrhunderten – wie „ein roter Faden“ durch die deutsche Sprache. Die nachstehende Sammlung TEXTILER REDENSARTEN ist auch ein Versuch, sich von der sprachlichen Seite her dem Projektthema zu nähern:

TEXTIL stammt vom lateinischen textum (= Gewebe, Geflecht) ab und gleichermaßen sind textile Redensarten mit unserer Sprache verwoben und verflochten.

Von Ärmel bis Zeug habe ich über fünfzig verschiedene Textilien, Accessoires und Handarbeiten mit rund 160 Redensarten aufgelistet. Diese Sammlung ist trotz ihres Umfangs natürlich nicht vollständig. Für ergänzende Hinweise bin ich daher jederzeit dankbar.

Andreas Vollstedt




Von ÄRMEL bis ZEUG:
TEXTILE REDENSARTEN


ÄRMEL
• die Ärmel hochkrempeln (viel arbeiten; tüchtig zupacken)
• ein As im Ärmel haben (etwas in Reserve / auf Lager haben)
• etwas aus dem Ärmel schütteln (etwas ohne Mühe tun; etwas überraschend präsentieren)


BINDE
• einen hinter die Binde gießen / kippen (Alkohol trinken)


BINDFADEN
• es regnet Bindfäden (es regnet sehr stark)


BÜX (HOSE)
• jemanden bei der Büx haben / kriegen (jemanden ergreifen / zu fassen kriegen)


DECKE
• unter einer Decke stecken (mit anderen gemeinsame Sache machen)


FADEN
• ein roter Faden (eine Leitlinie / ein Leitmotiv)
• am seidenen Faden hängen (vom Schicksal abhängende ernste Lage)
• den Faden verlieren (von einem Gedanken abkommen)
• nach Strich und Faden (gründlich; nach allen Regeln der Kunst)
• ...da beißt die Maus keinen Faden ab (da ist nichts mehr zu ändern)
• keinen guten Faden miteinander spinnen (schlecht zusammenarbeiten)
• alle Fäden in der Hand halten (alles überschauen und lenken)
• im Hintergrund die Fäden ziehen (Vorgänge im Hintergrund steuern)


FAHNE
• die weiße Fahne hissen (kapitulieren; aufgeben)
• auf die Fahnen schreiben (sich etwas zum Motto machen)


FRACK
• jemanden den Frack vollhauen (jemanden verprügeln)
• den Frack vollkriegen (verprügelt werden)
• Fracksausen kriegen (große Angst bekommen)


GARDINE
• hinter schwedischen Gardinen sitzen (im Gefängnis sitzen)
• eine Gardinenpredigt halten (eine strafende Rede halten)


GARN
• jemandem ins Garn gehen (auf eine List hereinfallen)
• ein Garn spinnen (etwas Erfundenes erzählen)
• Seemannsgarn spinnen (unglaubliche Geschichten erzählen)


GÜRTEL
• den Gürtel enger schnallen (sich einschränken; sparen)


HANDSCHUHE
• jemanden mit Samthandschuhen anfassen (jemanden vorsichtig behandeln)


HANDTUCH
• das Handtuch werfen (aufgeben; kündigen)
• ein halbes Handtuch (eine kleine, schmächtige Person)
• ein schmales / langes Handtuch (eine dünne, schmächtige Person)


HAUBE
• unter die Haube kommen (heiraten)
• jemandem eins auf die Haube geben (jemanden zurechtweisen)


HEMD
• sich ins Hemd machen (Angst haben; sich wegen einer Bagatelle aufregen)
• keinen Fleck ins Hemd machen (nicht unnötig Sorgen machen)
• jemanden bis aufs Hemd ausziehen (jemanden ausnutzen / ausplündern)
• für jemanden das letzte Hemd hergeben (bereit sein, alles für jemanden zu tun)
• die Meinung wechseln wie das Hemd (die Meinung je nach Situation ändern)
• jemandem ist das Hemd näher als der Rock (jemandem sind die eigenen Interessen wichtiger)
• hemdsärmelig sein (salopp / ungezwungen sein)


HOSE
• tote Hose (nichts Besonderes los)
• in die Hose gehen (misslingen)
• die Hosen anhaben (herrschen)
• etwas ist Jacke wie Hose (genau dasselbe)
• die Hose herunterlassen (die Wahrheit sagen)
• sich in die Hosen machen (große Angst haben)
• einen auf dicke Hose machen (angeben; Reichtum vortäuschen)
• mit abgeschnittenen Hosen dastehen (mittellos / geschröpft dastehen)
• sich auf den Hosenboden setzen (fleißig werden)
• die Spendierhosen anhaben (freigiebig sein)


HUT
• ein alter Hut (etwas, das nicht mehr neu ist)
• sich etwas an den Hut stecken können (etwas, was man selber nicht haben möchte)
• eins auf den Hut bekommen (getadelt werden)
• alles unter einen Hut bringen (Übereinstimmung erzielen)
• mit einer Sache nichts am Hut haben wollen (nichts damit zu tun haben wollen)
• seinen Hut nehmen (sich aus einer Arbeitsstelle o. ä. verabschieden)
• etwas aus dem Hut ziehen / zaubern (etwas ohne Mühe tun; etwas überraschend präsentieren)
• vor jemandem den Hut ziehen (große Achtung vor jemandem haben)
• etwas geht einem über die Hutschnur (also zu weit, man ärgert sich über etwas)


JACKE
• etwas ist Jacke wie Hose (genau dasselbe)
• jemandem die Jacke volllügen (jemanden gründlich belügen)


KAPPE
• etwas auf seine Kappe nehmen (die Verantwortung übernehmen)


KLAMMERBEUTEL
• mit dem Klammerbeutel gepudert (geistesschwach)


KLEIDER
• aus den Kleidern fallen (mager sein)


KNÖPFE
• jemand hat Knöpfe auf den Augen (jemand sieht nichts)
• sich etwas an den Knöpfen abzählen (das Ergebnis leicht erraten können)
• mit einer Träne im Knopfloch (wehmütig; gerührt)


KNÜPFEN
• zarte Bande knüpfen (eine Liebesbeziehung anfangen)


KOPFKISSEN
• am Kopfkissen horchen (schlafen)


KORSETT
• sich nicht in ein Korsett zwängen lassen (sich nicht einengen lassen)


KRAGEN
• jemanden beim Kragen packen (sich jemanden „vorknöpfen“)
• jemandem platzt der Kragen (verliert vor Wut die Beherrschung)
• sich um Kopf und Kragen reden (sich durch unvorsichtiges Reden in Gefahr bringen)
• jemandes Kragenweite sein (nach jemandes Geschmack sein)


LAPPEN
• durch die Lappen gehen (entwischen; verpassen)
• jemanden behandeln wie einen nassen Lappen (herzlos / ablehnend sein)
• ein Jammerlappen sein (ein Feigling sein)


MANSCHETTEN
• vor etwas Manschetten haben (sich vor etwas fürchten)


MANTEL
• etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken (nicht davon reden; auf Kritik verzichten)
• unter dem Mantel der Verschwiegenheit (heimlich)
• seinen Mantel / sein Mäntelchen nach dem Wind hängen (seine Meinung so ändern, wie es nützlich ist)
• sich ein Mäntelchen umhängen (versuchen, einen bestimmten Eindruck zu erwecken)


MASCHE
• die Masche raushaben (eine bestimmte Vorgehensweise erkennen)
• in die Maschen geraten (erwischt werden)
• durch die Maschen schlüpfen (entkommen)


MÜTZE
• ein paar auf die Mütze kriegen (verprügelt werden; Rückschläge erleiden)
• einen an der Mütze haben (leicht verrückt sein; spinnen)
• einen in der Mütze haben (betrunken sein)
• jemandem springt der Draht aus der Mütze (jemand ist so wütend, dass er die Kontrolle über sich verliert)
• eine Mütze voll Schlaf nehmen (sich zum Schlafen hinlegen)
• eine Schlafmütze sein (ein langsamer / unaufmerksamer Mensch sein)


NADEL
• eine Nadel im Heuhaufen suchen (etwas mit wenig Aussicht auf Erfolg suchen)
• etwas mit der heißen Nadel nähen / stricken (schnell fertig gestellt, aber fehlerhaft)
• wie auf Nadeln sitzen (unruhig / angespannt sein)
• jemandem Nadelstiche versetzen (kleine boshafte Bemerkungen machen)
• Leichter geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als... [Bibel, NT, Matthäus 19, 24: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.]


NÄHEN / NAHT
• auf Kante nähen (knapp kalkulieren)
• nichts auf der Naht haben (mittellos sein)
• viel auf der Naht haben (wohlhabend sein)


NÄHKÄSTCHEN
• aus dem Nähkästchen plaudern (intime Sachen erzählen)


PANTOFFEL
• den Pantoffel schwingen (herrschen)
• aus den Pantoffeln kippen (sehr verblüfft sein)
• unter dem Pantoffel stehen (unter der Herrschaft seiner Frau stehen)
• ein Pantoffelheld sein (Ehemann, der unter dem Pantoffel seiner Frau steht)


PUSCHEN
• in die Puschen kommen (sich aufraffen; vorankommen)
• aus den Puschen kippen (sehr verblüfft sein)


ROCK
• jemandem ist das Hemd näher als der Rock (jemandem sind die eigenen Interessen wichtiger)
• hinter jedem Rock herlaufen (ein Frauenheld sein)
• den grauen Rock anziehen (Soldat werden)
• an Mutters Rockzipfel hängen (von ihr abhängig sein)


SACK
• einen ganzen Sack voll (sehr viel)
• mit Sack und Pack (mit allen Habseligkeiten)
• in Sack und Asche gehen (bereuen; büßen)
• in den Sack hauen (eine Stellung aufgeben; kündigen)
• wie ein nasser Sack sein (ohne Haltung / schlaff sein)
• die Katze im Sack kaufen (etwas kaufen, ohne es gesehen zu haben)


SAMT
• in Samt und Seide (fein gekleidet)
• jemanden mit Samthandschuhen anfassen (jemanden vorsichtig behandeln)


SCHLIPS
• jemanden auf den Schlips treten (jemanden ärgern / vor den Kopf stoßen)
• sich auf den Schlips getreten fühlen (verärgert / beleidigt sein)


SCHÜRZE
• an der Schürze einer Person hängen (von ihr abhängig sein)
• hinter jeder Schürze herlaufen (ein Frauenheld sein)
• ein Schürzenjäger sein (ein Frauenheld sein)


SEIDE
• in Samt und Seide (fein gekleidet)
• am seidenen Faden hängen (vom Schicksal abhängende ernste Lage)


SOCKEN
• eine rote Socke (ein Kommunist / Sozialist)
• von den Socken sein (überrascht sein)
• sich auf die Socken machen (aufbrechen)
• durch die Socken pfeifen (verschwinden; weggehen)
• einen Sockenschuss haben (nicht ganz bei Verstand sein)


SPINNEN
• spinnen (Blödsinn reden; leicht verrückt sein)
• ein Garn spinnen (etwas Erfundenes erzählen)
• Seemannsgarn spinnen (unglaubliche Geschichten erzählen)


TASCHE
• tief in die Tasche greifen (viel zahlen müssen)
• einem nackten Mann in die Tasche greifen (einem Armen noch etwas wegnehmen)
• die Hand auf der Tasche halten (sparsam sein)
• jemandem auf der Tasche liegen (sich aushalten lassen)
• jemandem das Geld aus der Tasche ziehen (jemandem Geld abnehmen)
• in die eigene Tasche wirtschaften (sich bereichern)
• sich in die eigene Tasche lügen (sich etwas vormachen)
• jemanden in die Tasche stecken (jemandem überlegen sein)
• jemandem geht das Messer in der Tasche auf (jemand ist wütend)
• eine Plaudertasche (erzählfreudige Person)


TASCHENTUCH
• sich einen Knoten ins Taschentuch machen (sich eine Gedächtnisstütze machen)


TEPPICH
• auf dem Teppich bleiben (vernünftig sein; nicht übertreiben)
• etwas unter den Teppich kehren (etwas verheimlichen / vertuschen)
• unter den Teppich fallen (nicht beachtet werden)
• den roten Teppich ausrollen (einen Gast mit den höchsten Ehren empfangen)


TUCH
• ein rotes Tuch (etwas, das jemanden sehr ärgert)
• in trockenen Tüchern (beschlossen; erfolgreich abgeschlossen)
• auf Tuchfühlung gehen / bleiben (sich näherkommen)


WÄSCHE
• dumm aus der Wäsche gucken (verblüfft / überrascht sein)
• jemandem an die Wäsche gehen (sexuell verführen / belästigen)
• schmutzige Wäsche waschen (öffentlich über die Fehler und Missetaten anderer Leute reden)


WESTE
• eine reine / saubere / weiße Weste haben (unschuldig sein)
• einen Fleck auf der Weste haben (sich schuldig gemacht haben)
• jemandem etwas unter die Weste jubeln (jemandem etwas anlasten)


WESTENTASCHE
• etwas / jemanden wie die eigene Westentasche kennen (sich ganz genau auskennen)
• etwas aus der Westentasche bezahlen können (genug Geld haben)


WICKEL
• jemanden beim Wickel nehmen (jemanden fassen)


WOLLE
• sich in die Wolle kriegen (in Streit geraten)
• sich in der Wolle haben (sich streiten)


ZEUG
• das Zeug zu etwas haben (das Talent / die Fähigkeit für etwas haben)
• jemandem etwas am Zeug flicken (jemanden verbal angreifen / kritisieren)